Farbe:
Ein helles, filigranes, weiß schimmerndes Strohgelb mit zartgrünen Reflexen.
Nase:
Die Marienburg zeigt sich als Großes Gewächs in einer deutlich vertieften, erhabenen Ausprägung dessen, was die Ortsweine bereits andeuten. Auf grauen Schieferböden gewachsen, bildet ein dunkles, kühles, fast mystisches Aromengerüst das Fundament. Nussige Noten ziehen sich durch den Duft: Marzipan, Kirschkerne, Pfirsichsteine und Mandelkerne – alles mit einer feinen, intensiven Tiefenwürze versehen. Die Frucht wirkt kompakt und reif, geleitet von Pfirsich und Mirabelle, gelbfruchtig, saftig, dabei jedoch immer wieder mit einem kaum definierbaren Einschlag, der zwischen Rot und Blau changiert, ohne konkret zu werden. Das Dunkle und Erhabene gewinnt durch reduktive Anklänge, kühlen Stein, Nässe und Schiefer an Kraft. Kräuter bestimmen das Bild prägnant: Brennnesseln sowie getrocknete Kräuter wie Majoran, Estragon und Petersilie tragen zu einer feinen herben Tiefe bei. Insgesamt steht die Marienburg ruhig, konzentriert und hochpräzise im Glas.
Gaumen:
Am Gaumen wirkt das Große Gewächs unmittelbar griffig und klar strukturiert. Der Wein packt zu, wirkt fast austrocknend durch seine Adstringenz, seine bitterstoffgeprägte Phenolik und die perfekt integrierte, gleichzeitig hoch stehende Säure. Diese Säure bildet das straffe Grundgerüst, regt starken Speichelfluss an und wirkt dennoch erfrischend; sie hält die Bitterstoffe in Schach und schafft Balance gegenüber der dunklen, erhabenen Kräuteraromatik. Retronasal tritt die Frucht deutlich zurück – Kräuter dominieren: balsamische Würze, Akzente von Nelke, weißem Pfeffer und Piment, dazu Fenchelsaat, Anis, frischer Fenchel und Erbsensprosse. Das typische Schieferprofil – rauchig, kühl, dunkel – dringt immer wieder nach vorne, weicht zurück, macht Platz für Frucht, gibt erneut Raum für Kräuter, um dann wieder mit kühler Prägnanz aufzutauchen. Dieser permanente Wandel verleiht dem Wein eine faszinierende Dynamik. Die Haptik bleibt griffig, leicht phenolisch, hintenraus animierend, anhaltend und dennoch erstaunlich zugänglich – ein beeindruckend vielseitiges Stück Wein, besonders für das „kleine“ Große Gewächs im Portfolio.
Tasted in November 2025
Gegrillter Steinbutt mit Fenchelsaat, Zitronenthymian und heller Jus vom Wurzelgemüse
Gebratene Kräuterseitlinge mit getrocknetem Estragon, Petersilienöl und Mandelschaum
Geräucherte Forelle mit Anis-Fenchelsalat, Mirabellen-Vinaigrette und jungen Sprossen
Clemens Busch
Direkt gegenüber dem Stammhaus am anderen Moselufer befindet sich der größte Teil der Weinberge der Familie Busch in der Lage Marienburg. Die frühere Unterteilung in Einzellagen fiel in den 1970-iger Jahren der Weingesetzgebung zum Opfer. Um die spezifischen Unterschiede innerhalb der Lage Marienburg hervorzuheben, vinifiziert Clemens Busch die Parzellen getrennt und füllt die Weine unter den ehemaligen Parzellenbezeichnungen, wie etwa Fahrlay oder Falkenlay, ab. So kommen die verschiedenen Schieferböden (blauer, grauer und roter Schiefer) sowie die speziellen Mikroklimata im Wein deutlich zum Ausdruck. Ein Teil der Steillage unter der Marienburg gehört zur GG-Lage Nonnengarten. Hier produziert Clemens aus der Parzelle unter dem Birnbaum ein exklusives Cuvée in Reserve Qualität. Das heißt es, kommt erst nach längerer Fasslagerung auf der Feinhefe auf den Markt. Unser Geheim-Tipp!

































