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Carl-Friedrich L. Walther
Das Weingut
Carl-Friedrich L. Walther – die Weine vom Dachsberg Saale-Unstrut
Von allen Weinbaugebieten, die es in Deutschland gibt, dürfte das an Saale und Unstrut immer noch das am wenigsten bekannte sein. Dabei war der Weinbau im deutschen Burgenland einst bedeutend. Er wurde bereits in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. im Jahr 998 erwähnt, und man weiß, dass die Zisterzienser des Klosters Santa Maria ad Portam in Schulpforta den Weinbau ab 1137 besonders gefördert haben – möglicherweise sogar so stark, dass im 16. Jahrhundert Schätzungen zufolge bis zu 10.000 Hektar unter Reben standen. Doch nach Kriegswirren, Kaltzeiten und dem Wüten der Reblaus waren im Jahr 1919 gerade noch 100 Hektar mit Reben übrig. Dass die Wirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg dem Weinbau ebenfalls nicht förderlich waren, muss kaum erwähnt werden. Und auch die Entwicklung der DDR war dem Weinbau keineswegs zuträglich. Er überlebte an den beiden Flüssen zunächst vor allem durch Freizeitweinbau im Nebenerwerb. Ab den 1960er Jahren mussten die Winzer ihre Flächen an die VEG Weinbau abtreten. Zu den volkseigenen Betrieben gehörte auch die im 19. Jahrhundert in Freyburg gegründete Sektkellerei „Rotkäppchen“. Sie zählt zu den wenigen Betrieben, die nach 1989 die Wende und die Maßnahmen der Treuhandanstalt nicht nur überlebt haben, sondern sehr erfolgreich geworden sind. Der Weinbau an Saale und Unstrut musste sich ab den 1990er Jahren trotzdem weitgehend neu erfinden. Heute umfasst er wieder rund 800 Hektar.
Auf einen Blick
- Junger Winzer vom Kaatschener Dachsberg
- Biologisch seit 2017, zertifiziert seit 2020
- Minimale Intervention, unfiltriert, wenig Schwefel
- Silvaner klassisch, unter Flor und maischevergoren
Vom Schulweinberg an die Mosel
Dass die Weinberge entlang der beiden Flüsse – und auch abseits der klassischen Lagen – ein großes Potenzial besitzen, beweisen mittlerweile zahlreiche junge Weingüter. Eines davon ist das von Carl-Friedrich L. Walther. Bei ihm wurde das Interesse für den Weinbau, wie bei manch anderem aus der Gegend auch, im Gymnasium in Laucha geweckt. Die Schule besitzt eine Parzelle im Freyburger Edelacker, die Schülerinnen und Schüler in der siebten Klasse als Wahlfach bewirtschaften können. „Unsere Lehrerin hatte halt richtig Freude dran und mir hat es Spaß gemacht und es war cooler als die reguläre Schule. Und dann habe ich bei der Arge angefragt und bin runter an die Mosel nach Leiwen. Und dann weiter nach Zeltingen zum Martin Schömann (demeter). Und der Trip mit der Fachschule nach Südtirol und ins Piemont war noch mal ein Anstoß, weil die einfach mehr Leidenschaft hatten. Hierzulande hat mich nie jemand wirklich mitgerissen.“

Die erste eigene Rebfläche
Während seiner Zeit bei Klaus Zimmerling an der Elbe übernahm Carl-Friedrich 2017 seine erste eigene Rebfläche. „Das waren 3.000 Quadratmeter, dann kam das Jahr darauf ein bisschen Riesling, dann Weißburgunder, dann Spätburgunder, aber der war oberirdisch tot. Wir hatten im Februar 2021 Neuschnee und dann den Frost. Für die 2.000 Quadratmeter habe ich mindestens eine Woche lang die neuen Triebe hochgezogen. Spätburgunder dann auch gar nichts geerntet. 70 Liter Riesling. Der ist frostbeständiger als der Burgunder und der Silvaner. Und ich habe halt vorher auch alles nach der Methode des sanften Rebschnitts angelegt und dann hat der Frost mir das alles zerschlagen.“ Doch Aufgeben war nicht seins, dafür ist Carl-Friedrich viel zu positiv eingestellt.

Der Kaatschener Dachsberg
Weinbau an Saale und Unstrut hat nicht nur Potenzial, er ist auch eine große Herausforderung. Das Gebiet gehört mit rund 500 Millimetern jährlichem Niederschlag zu den trockensten in Deutschland und im Winter kann es, wie im Jahr 2021, auch einmal bis auf –28 °C kalt werden. Dazu hat, wie anderswo auch, im Jahr 2024 der Spätfrost de facto den gesamten Ertrag der Region vernichtet. Aber Carl-Friedrich hat sich dieser Herausforderung angenommen. Er bewirtschaftet mit Hingabe die historische, aber abseits gelegene thüringische Weinbergslage Kaatschener Dachsberg. Seit dem ersten Tag im Jahr 2017 geschieht dies biologisch, seit 2020 biologisch zertifiziert.
CHRISTOPH RAFFELT
Der Rest ist Bauchgefühl – und davon hat der Winzer eine ganze Menge.

Minimale Intervention im Schlosskeller
Das penibel sortierte Traubengut verarbeitet er im kleinen Keller des Schlosses Klosterhäseler, wo sein Vater Rolf ein Orgelbaumuseum eingerichtet hat. Dass in diesem Keller Weinbereitung mit minimaler Intervention geschieht, nimmt man Carl-Friedrich sofort ab. „Wir haben hier keine großartige Technik. Wir stellen die Maischebottiche direkt zur Presse hin. Und dann siehst du hier die alte Korbpresse, die ich von meinem ehemaligen Chef Klaus Zimmerling bekommen habe. Die haben wir wieder schick gemacht.“ Der Rest ist Bauchgefühl – und davon hat der Winzer eine ganze Menge. Die Maischestandzeiten liegen hier zwischen 20 und 48 Stunden, das Pressen dauert gute vier bis acht Stunden. Die Weine reifen unfiltriert im Immervolltank oder im gebrauchten Holz, geschwefelt wird nur minimal. Die Weine, allen voran die Silvaner, die er einmal "klassisch", aber auch unter leichtem Flor und einmal maischevergoren ausbaut, wirken balanciert und stimmig. Ebenso der Riesling und der Weißburgunder. Der Rosé könnte auch ein leichter Spätburgunder sein, das liegt im Auge des Betrachters. Was er aber sicher nicht ist: ein vordergründig fruchtiger Sommer-Quencher.
Ich kenne die Weine seit dem Jahrgang 2018 und habe festgestellt, dass sie hervorragend reifen. Damals bin ich eher durch Zufall über sie gestolpert, habe etwas über den ersten probierten Silvaner geschrieben und kurze Zeit später einen handgeschriebenen Brief samt weiterer Proben von Carl-Friedrich erhalten. So ist er, der Mann von der Saale.

Sortiment ·
Die Weine von Carl-Friedrich L. Walther
Der Index zur Trockenheit, bzw. zur Süße des Weines berücksichtigt die gesamte Struktur des Weines und kombiniert dabei Restzucker, Säuregehalt und Alkoholgehalt. Es geht hierbei nicht um Laboranalysen, sondern um das subjektive Empfinden von Süße auf dem Gaumen. Die Daten stammen von den Weingütern selbst und werden bei unseren Verkostungen geprüft.
Trocken
Rein technisch gesehen nicht völlig trocken aber keine Süße auf dem Gaumen, eventuell etwas runderer Abgang
Mittlere Süße, insbesondere bei jungen Weinen. Teilweise reduziert sich die Süße mit dem Reifeprozess
Süßlicher Wein
Hohe Süße wie bei einem Vendages Tardive, jedoch ohne die durch die Edelfäule* verursachte Reichhaltigkeit
Die Vendages Tradives (Elsässer Spätlese), unterliegen strenger staatlicher Kontrolle. Bei den überreif geernteten Trauben muss das alkoholische Potential mindestens 15,3% betragen (118 Oechsle). Ein Zuckerzusatz (Chaptalisation) ist nicht erlaubt.
Zum Charakter der Grand Cru Rebsorten kommt hier der Zuckergehalt und die Konzentration durch die Edelfäule.
Bei der Sülection de Grains Nobles (Elsässer Trockenbeerenauslese), werden ausschließlich von Edelfäule befallene Trauben verwendet.
Das alkoholischen Potential muss mindestens 18,20% (134,8 Oechsle) betragen. Im Vergleich zu den Vendages Tardives sind die Weine noch wuchtiger und konzentrierter. Diese Meisterwerke der Winzerkunst bieten ein lang anhaltendes Geschmackserlebniss.
* Edelfäule (Botrytris cinerea) auch als Grauschimmel oder Edelfäulpilz bezeichnet ist ein Pilz der reife Weintrauben bei feuchtem und gleichzeitig warmen Herbstwetter befallen kann. Der Schimmelpilz perforiert die Schalen der Trauben und fördert damit die Verdunstung was zu einer Konzentration der Aromen des Weines führt. Außerdem verbraucht er wesentlich mehr Säure als Zucker und fördert dadurch die Süße des Mostes (bis zu 45% Zuckergehalt).
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