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Farbe:
Helles, brillantes Zitronengelb mit klarem Glanz.

Nase:
Für mich beginnt diese Beschreibung mit der Premiere selbst: Seit 2009 begleitet Clos del Portal mein Weinverständnis, und nach 17 Jahren steht mit Flasche Nr. 112 erstmals der Hommage im Glas. Die Cuvée aus Pedro Ximénez und Garnatxa Blanca präsentiert sich mediterran und großzügig, zugleich aber lang, tiefgründig und bemerkenswert puristisch. Zuerst sind da Salz, Kargheit und Stein. Viel Kreide, Kalk und trockenes Gestein, beinahe staubig in seiner Anmutung, bilden das Fundament. Der Pedro Ximénez scheint sich dabei bewusst zurückzunehmen und dem Boden die Bühne zu überlassen.
Darüber entwickelt sich eine trockene mediterrane Kräuterwelt aus Majoran, Oregano, Salbei und zunehmend Thymian. Rübe, Mais und Fenchel setzen vegetabile Akzente, Anis und ein Hauch Muskat sorgen für Würze. Dazu kommen zurückhaltende gelbe Blüten, allen voran Margerite, später auch Orangenblüte. Nichts daran wirkt parfümiert oder vordergründig.
Besonders reizvoll ist diese trockene, mürbe Gebäcknote: Mandel, Mürbeteig und etwas, das an ein Butterscotch-Plätzchen erinnert, allerdings vollkommen ohne Süße. Vielmehr scheint bereits der Teig von Salz, Zitrusabrieb und einer feinen herben Würze durchzogen zu sein. Bergamotte, Grapefruit und Bitterorange setzen helle Spitzen. Ein leicht hefiger Ton läuft darunter und verstärkt die ruhige Tiefe. Das ist kein Wein, der über Frucht verführen möchte. Er wirkt erwachsen, ehrlich und sachlich, besitzt Länge und eine selbstverständliche Präsenz. Gerade diese Unaufgeregtheit lässt ihn brillieren.

Gaumen:
Für die Wärme und Trockenheit des Priorat erstaunlich puristisch. Nichts ist laut, nichts ölig oder überladen. Der Hommage besitzt Druck, trägt ihn aber leise; er ist strukturiert und gleichzeitig elegant. Frucht spielt am Gaumen praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen entsteht Spannung aus Textur, feinen Bitterstoffen, mineralischem Griff und Salzigkeit.
Die Säure ist moderat bis beinahe abwesend und dennoch fehlt dem Wein nichts an Energie. Im Gegenteil: Er wirkt vibrierend, spannungsgeladen und enorm animierend. Auch das Tannin bleibt zurückhaltend und verschmilzt beinahe mit der mineralischen Struktur. Entscheidend ist das Mundgefühl – dieser Wechsel aus Druck und Kargheit, Substanz und Zurückhaltung, zarter Bitterkeit und salziger Länge. Im Nachhall kommen Thymian, Mineralität und die mürbe, fast Butterscotch-artige Gebäcknote noch einmal zusammen. Ein ausgesprochen erwachsener Wein, dessen Größe nicht aus Lautstärke, sondern aus Struktur, Tiefe und Trinkfluss entsteht. Ein Wein für große Küche.

Tasted in September 2026

Author Marian Henß
Author info Marian Henß:

Marian Henß hat viele Jahre in der Sternegastronomie in leitender Funktion und verschiedene Konzepte begleitet. Im Rahmen seiner internationalen Tätigkeiten konnte er seinen Erfahrungsschatz breit aufstellen. Unterschiedliche weitere Engagements rund um das Thema runden sein Profil ab. Heute arbeitet er als selbständig als Sommelier sowie in der Beratung von Privat- und Firmenkunden.

Sautierter Steinbutt | Fenchel | Mandel | Bitterorange | Muschelsud
Geröstetes Kalbsbries | Artischocke | Thymian | Mais
Sellerie aus der Salzkruste | Topinambur | Mandel | Kamille | Thymian

Author Marian Henß
Author info Marian Henß:

Marian Henß hat viele Jahre in der Sternegastronomie in leitender Funktion und verschiedene Konzepte begleitet. Im Rahmen seiner internationalen Tätigkeiten konnte er seinen Erfahrungsschatz breit aufstellen. Unterschiedliche weitere Engagements rund um das Thema runden sein Profil ab. Heute arbeitet er als selbständig als Sommelier sowie in der Beratung von Privat- und Firmenkunden.

Portal del Priorat

Der Architekt Alfredo Aribas suchte schon lange in der Region nach geeigneten Parzellen für sein ehrgeiziges Projekt. Im Jahre 2001 stieß er dann auf die Finca Clos del Portal, deren Reben aber erst wieder mühsam über Jahre regeneriert werden mussten, weil die Bauern diese auf Grund der geringen Erträge vernachlässigt hatten. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre, bis man im Jahre 2007 erstmals den Top-Wein Somni präsentierte, der international für Aufsehen sorgte. Dieser Erfolg war kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit in Verbindung mit den einzigartigen Lagen und dem dort vorherrschenden Mikroklima. Die Weine bestechen durch ihre Kombination von Kraft und Eleganz.

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