
- FRANKREICH
- CHAMPAGNE
Barrat-Masson
Das Weingut
Champagner von der Côte de Sézanne
Selbst in solch bekannten Gebieten wie der Champagne gibt es immer noch Unterappellationen, die kaum jemand kennt, was natürlich auch daran liegt, dass ihnen lange die Leuchtturm-Weingüter gefehlt haben. Das hat sich in den Coteaux du Morin genauso geändert wie in Montgueux, und auch im Sézannais – oft auch Côte de Sézanne genannt – tut sich einiges. Dort sticht vor allem ein Weingut hervor, um das es im Folgenden gehen soll.
Auf einen Blick
- Leuchtturm-Weingut der Côte de Sézanne
- Rund 90 % Chardonnay auf Kreideböden
- Nicht geklärt, nicht gefiltert, kaum dosiert
- Stil: klar strukturiert, mineralisch
Weinberge um Villenauxe-la-Grande
Mit ihren Weinbergen bilden die beiden die typische Zusammensetzung der Rebsorten in der Region ab. Rund um den Hauptort Sézanne gibt es elf weitere Orte mit insgesamt knapp 1.500 Hektar, auf denen rund 77 % Chardonnay und 18 % Pinot Noir wachsen – bei Barrat-Masson sind es 90 % und 10 %. Der Rest der wenigen Hektar verteilt sich auf 4,7 % Meunier und andere seltene Sorten. Die Weinberge der Familie liegen fast alle rund um Villenauxe-la-Grande. Wie der Name schon suggeriert, gehört der Ort zu den größeren an der Côte. Die Weinberge der Gemeinde Villenauxe-la-Grande befinden sich auf beiden Seiten des Dorfes, im Westen wie im Osten, und sie sind im Wesentlichen nach Süden ausgerichtet. Villenauxe-la-Grande wurde erst im Jahr 1970 in die Appellation Champagne aufgenommen – auch das ist ein Grund dafür, dass die vier genannten Sub-Appellationen immer noch deutlich weniger bekannt sind als die alteingesessenen.

Neubeginn auf Kreideböden
Natürlich verfügt das Dorf über eine längere Weinbaugeschichte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es rund 300 Winzer, aber nach und nach wurde der Weinbau von anderen Kulturen verdrängt, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand der Weinbau nach der Reblauskatastrophe. Die Barrats gehörten zu den Ersten, die wieder Reben anpflanzten, weshalb das Alter der Weinberge rund 50 Jahre beträgt. Auch wenn die Skala der Crus für die Champagne, also die Échelle des Crus, heute nicht mehr wirklich aktuell ist oder im Fokus steht, so wurde Villenauxe-la-Grande doch für seine Chardonnay- und Pinot-Qualität mit 87 % und 85 % hoch eingestuft – knapp unter den 90 %, die für den 1er Cru erforderlich sind. Das Potential der Appellation liegt vor allem in den stark kreidehaltigen Böden, die aber nicht ganz so pur sind wie etwa an der Côte des Blancs. Auch die etwas südlichere Lage trägt ihren Teil dazu bei, dass die Blanc de Blancs hier ein wenig tropischer werden als in Vertus oder in Le Mesnil. Sie erinnern eher ein wenig an Chouilly und Vazart-Coquart, wobei dort der Grand-Cru-Charakter deutlicher wird.

FABIO FABRIZIO
Nachhaltige Weine mit dem hochsten Respekt fur Mensch und Natur.

Biologisch im Weinberg, low intervention im Weingut
Aurélie und Loïc haben ganz klare Arbeitsbereiche. Loïc ist der Mann im Weinberg, der die Basis für Aurélies Arbeit liefert. Die beiden haben im Laufe der letzten Jahre das Weingut so umgebaut, dass sie so schonend wie möglich arbeiten können. Aus der Pressung mit klassischen Coquard-Pressen wird zu 90 % die Cœur de Cuvée verwendet. Der Ausbau erfolgt dann in Edelstahltanks oder Eichenfässern. Entsprechend vergärt Aurélie auch die Trauben. Reift der Wein im Edelstahl, wird er auch im Edelstahl vergoren. Reift der Wein im Holz, wird er entsprechend im Holz vergoren. Es wird nicht geklärt und nicht gefiltert, die malolaktische Fermentation wird je nach Bedarf unterdrückt oder zugelassen. Mindestens 30 Monate liegen die Champagner auf biologischen Hefen im Keller, bevor sie à la volée, also von Hand degorgiert werden. Dosiert wird so gut wie gar nicht. Selbst der Grain d’argile, der noch als Extra-Brut betitelt ist, wurde seit Jahren nicht dosiert.
Die Champagner
Die Champagner von Barrat-Masson sind sehr klar strukturiert und mineralisch. Schon bei den ersten Präsentationen ihrer Champagner im Rahmen der Printemps de Champagne, wo die beiden in der Gruppe Des Pieds & des Vins ausstellen, wurde schnell die Präzision ihre Weine erkannt. Wird Holz verwendet, so ist es offensichtlich. So ist es der Fall bei der Cuvée Les Volies, wo der Grundwein – 55 % Chardonnay und 45 % Pinot Noir – in Tonneaux von 600 Litern rund neun Monate auf der Vollhefe ausgebaut wird. Beim Grain d’argile, ebenfalls eine Cuvée aus 55 % Chardonnay und 45 % Pinot Noir, sowie beim Blanc de Blancs Les Margannes sind es nur rund 30 % Holzanteil, beim Blanc de Blancs fleur de craie nur 15 %. Bei den Blanc de Blancs kann man sehr schön die Unterschiede des Holzeinsatzes feststellen. Der fleur de craie wirkt zugleich exotisch und fruchtsüß wie auch knalltrocken am Gaumen, ferner druckvoll und kreidig. Der Les Margannes bietet etwas mehr Volumen, wirkt runder, seidiger und etwas voluminöser.
Sortiment ·
Die Weine von Barrat Masson
Der Index zur Trockenheit, bzw. zur Süße des Weines berücksichtigt die gesamte Struktur des Weines und kombiniert dabei Restzucker, Säuregehalt und Alkoholgehalt. Es geht hierbei nicht um Laboranalysen, sondern um das subjektive Empfinden von Süße auf dem Gaumen. Die Daten stammen von den Weingütern selbst und werden bei unseren Verkostungen geprüft.
Trocken
Rein technisch gesehen nicht völlig trocken aber keine Süße auf dem Gaumen, eventuell etwas runderer Abgang
Mittlere Süße, insbesondere bei jungen Weinen. Teilweise reduziert sich die Süße mit dem Reifeprozess
Süßlicher Wein
Hohe Süße wie bei einem Vendages Tardive, jedoch ohne die durch die Edelfäule* verursachte Reichhaltigkeit
Die Vendages Tradives (Elsässer Spätlese), unterliegen strenger staatlicher Kontrolle. Bei den überreif geernteten Trauben muss das alkoholische Potential mindestens 15,3% betragen (118 Oechsle). Ein Zuckerzusatz (Chaptalisation) ist nicht erlaubt.
Zum Charakter der Grand Cru Rebsorten kommt hier der Zuckergehalt und die Konzentration durch die Edelfäule.
Bei der Sülection de Grains Nobles (Elsässer Trockenbeerenauslese), werden ausschließlich von Edelfäule befallene Trauben verwendet.
Das alkoholischen Potential muss mindestens 18,20% (134,8 Oechsle) betragen. Im Vergleich zu den Vendages Tardives sind die Weine noch wuchtiger und konzentrierter. Diese Meisterwerke der Winzerkunst bieten ein lang anhaltendes Geschmackserlebniss.
* Edelfäule (Botrytris cinerea) auch als Grauschimmel oder Edelfäulpilz bezeichnet ist ein Pilz der reife Weintrauben bei feuchtem und gleichzeitig warmen Herbstwetter befallen kann. Der Schimmelpilz perforiert die Schalen der Trauben und fördert damit die Verdunstung was zu einer Konzentration der Aromen des Weines führt. Außerdem verbraucht er wesentlich mehr Säure als Zucker und fördert dadurch die Süße des Mostes (bis zu 45% Zuckergehalt).
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