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Vazart-Coquart & Fils

Fährt man von Épernay aus in Richtung Osten am südlichen Ufer der Marne, dann erreicht man nach wenigen Minuten die Ortschaft Chouilly. Auf den rund 1.600 Hektar, die die Ortschaft umfasst, sind 522 Hektar mit Reben bepflanzt, 99 % davon sind Chardonnay. Am auffälligsten ist der Hügel namens Butte du Saran mit dem zu Moët & Chandon gehörenden Château du Saran, das 1801 von Jean-Remy Moët erbaut wurde.

Die Weinberge findet man sowohl im westlichen, als auch im südlichen Teil der Kommune, was ungewöhnlich ist für die Côte. Sie verfügen über unterschiedliche Ausrichtungen zur Sonne und sind weniger uniform als die von Le Mesnil, Oger oder Avize.
Stilistisch gesehen, gelten die Weine aus Chouilly als die, mit den meisten tropisch fruchtigen und buttrigen Aromen im Chardonnay zugunsten von überbordender Mineralität, wie man sie aus Avize oder Le Mesnil kennt. Chouilly ist übrigens nicht nur für seine Champagner, sondern auch für seine Gänse bekannt. Diese findet man auch auf den Etiketten von Vazart-Coquart. 
© Mika Boudot

CHRISTOPH RAFFELT

Die Familie Vazart betreibt bereits seit 1785 Weinbau in Chouilly.

© Mika Boudot

Die Familie Vazart betreibt bereits seit 1785 Weinbau in Chouilly. Die ersten eigenen Weine wurden allerdings erst im Jahr 1950 von Louis und Jacques Vazart gefüllt. Seit 1995 wird das Weingut von Jean-Pierre Vazart geführt, der bereits ein Jahr später dem Club Trésor de Champagne, einer der ersten Vereinigungen von unabhängigen Winzern der Champagne, beigetreten ist.

Das Weingut verfügt über 11 Hektar, die sich komplett in Chouilly befinden. Davon fallen 0,4 Hektar auf Pinot Noir, der Rest ist mit 30 bis 40 Jahre altem Chardonnay bepflanzt. Schon seit Jahren verzichtet Jean-Pierre auf chemische Spritzmittel und ist mittlerweile bio-zertifiziert. Allerdings dauert es in der Champagne besonders lang, bis diese dann auch auf den Etiketten erscheint; denn die aktuellen Jahrgänge sind älter als die Zertifizierung.

Jean-Pierre pflegt den Ausbau im Edelstahl – inklusive malolaktischer Gärung. Die Reserve-Weine stammen im Wesentlichen aus einer Solera, die 1982 begonnen wurde und aus der mittlerweile ein eigener Champagner namens 82/… entsteht. Hinzu kommt neben dem Special Club, der jährlich im Rahmen des Club Trésor de Champagne präsentiert wird, unter anderem der noch recht neue Jahrgangschampagner TC, der im Terre Cuite, einem Terra-Cotta-Ei ausgebaut wird. Gerade Vazarts Non-Vintage-Champagner zeigen die typische Stilistik des Ortes. Sie sind ideale Apéritif-Champagner mit viel Frucht, Frische, Eleganz und Harmonie. Die Jahrgangs-Champagner sind voller, kraftvoller und mineralischer mit viel Substanz. Das sieht man gerade beim Terre Cuite sehr gut, der einerseits unglaublich seidig daherkommt, andererseits aber viel Druck aufbaut und die besondere Mineralität des Ortes zeigt.

Jean-Pierre Vazart ist in den letzten Jahrgängen immer weiter heruntergegangen mit der Dosage. Für die Vinaturel-Abfüllungen ist er noch einen Schritt weitergegangen. Das ist bei der Qualität des Ausgangsmaterial sehr gut möglich und war wünschenswert, da die Chouilly-Champagner von Grund auf voller und etwas exotischer wirken als die Grand Cru der Nachbargemeinden. Mit dem Verzicht auf Dosage bzw. einer fast homöopathischen Menge zeigen sich Vazart-Coquarts Champagner in einer wunderbaren Balance.

Text von Christoph Raffelt
Oktober 2019
Author Christoph Raffelt