
Beyond Pink
Struktur, Grip und die Renaissance des „Glou Glou“
Der Frühling markiert in der Gastronomie den wohl spannendsten Wendepunkt des Jahres. Wenn die schweren Schmorgerichte den jungen, grünen Aromen von Wildkräutern, Spargel und frischen Erbsen weichen, stößt das klassische Weiß-Rot-Schema oft an seine Grenzen. Hier schlägt die Stunde der Struktur-Rosés und energetischen Leichtgewichte.
Vergessen wir für einen Moment das Marketing-Klischee vom lachsfarbenen, primärfruchtigen „Terrassenwein“. Bei Vinaturel verstehen wir Rosé nicht als Nebenprodukt, sondern als eine eigenständige Kategorie mit Tiefgang, phenolischem Grip und Herkunftscharakter. Für Professionals sind diese Weine die ultimative Geheimwaffe: Sie bieten die Frische eines Weißweins, bringen aber genug Struktur mit, um gegen komplexe Texturen und Bitterstoffe zu bestehen.
Hier sind unsere Benchmarks für ein Frühjahrs-Sortiment ohne Kompromisse:
Die Avantgarde aus Österreich: Purismus, Solera & Biodynamie
Österreichische Winzer setzen derzeit weltweit Standards für „Low Intervention“ Rosés. Es geht weg von der Beerenfrucht, hin zu Textur, Hefecharakter und puristischer Herkunft.
Johannes Zillinger (Weinviertel) – JZ. Revølutiøn Pink Solera:
Dieser Wein ist eine radikale Absage an das Jahrgangs-Diktat. Durch das Solera-Verfahren (die Vermählung verschiedener Ausbaustufen und Jahre) gewinnt der Revølutiøn eine oxidative Stabilität und aromatische Komplexität, die man bei Rosés sonst kaum findet. Er ist unfiltriert und ungeschönt, was ihm eine faszinierende, fast haptische Trübung und einen enormen Grip verleiht. Am Gaumen zeigt er keine Primärfrucht, sondern eine tiefe Kräuterwürze und saline Mineralität. Ein Wein, der das große Glas und viel Luft braucht, um seine Schichten freizulegen.
Heinrich (Burgenland) – Naked Rosé & Out of the Dark:
Gernot Heinrich ist ein Meister darin, die Essenz des Kalks und Schiefers vom Leithaberg in die Flasche zu bringen. Der Naked Rosé (Blaufränkisch-basiert) ist ein vibrierendes Kraftpaket ohne Make-up – spontanvergoren und mit langem Hefekontakt. Mit dem Out of the Dark geht er noch einen Schritt weiter: Ein Rosé, der eigentlich ein „hellroter“ Herkunftswein ist. Er besticht durch eine animierende, kühle Blaufränkisch-Typizität, feines Tannin und eine Säurestruktur, die ihn ungemein lagerfähig macht.
Meinklang (Burgenland) – Prosa Rosé:
Ein Paradebeispiel für lebendige Biodynamie. Der Prosa ist kein stiller Vertreter, sondern ein Perlwein, der durch seine Ungezwungenheit besticht. Trotz der hohen Trinkfreude ist er technisch präzise: Die Kohlensäure ist fein eingebunden, die Frucht bleibt herb und frisch. Ein idealer „Door-Opener“ für Gäste, die den Einstieg in die Welt der Naturweine suchen, ohne auf Sauberkeit zu verzichten.
Loimer (Kamptal) – Gluegglich Rosé:
Fred Loimer nutzt für seine Gluegglich-Serie die Kraft der Spontangärung und den Ausbau im großen, gebrauchten Holzfass. Dieses Cuvée aus Pinot Noir, Zweigelt und St. Laurent ist eine Lektion in Sachen Balance. Die Phenolik ist spürbar, aber seidig; die Säure ist präsent, aber reif. Ein Wein, der zeigt, dass „Vin Naturel“ im Kamptal eine enorme Eleganz und Ruhe ausstrahlen kann.
Terroir-Tiefe aus Italien: Die Macht der Amphore und alpine Präzision
Italienische Rosatos besitzen oft eine stoffliche Dichte, die sie zu ernsthaften Speisenbegleitern macht – von der Adria bis in die Höhen Südtirols.
Cirelli (Abruzzen) – Cerasuolo d'Abruzzo (Amphora):
Francesco Cirelli zeigt die noble, fast archaische Seite der Montepulciano-Traube. In der Amphore (Anfora) ausgebaut, gewinnt der Wein eine Textur, die an feinstes Schleifpapier erinnert – im positivsten Sinne. Die tiefe, kirschrote Farbe ist typisch für den Cerasuolo-Stil und kündigt eine Konzentration an, die perfekt mit kräftigen mediterranen Gerichten, gegrilltem Lamm oder gereiftem Pecorino harmoniert.
Pranzegg (Südtirol) – Demian:
Martin Gojer ist ein Freigeist, und sein Demian spiegelt das wider. Der Rosato aus Lagrein-Trauben vereint die kühle Präzision der Alpen mit einer wilden, ungeschminkten Eleganz. Hier trifft alpine Frische auf eine feine Phenolik und eine fast schon burgundische Filigranität. Ein intellektueller Wein, der im Service die Geschichte der Südtiroler Steillagen erzählt.
Tenuta di Carleone (Toskana) – Rosato:
Sean O’Callaghan (alias „Il Guercio“) ist ein Magier des Sangiovese. Sein Rosato ist eine Lektion in Sachen Finesse: Hell, fast ätherisch in der Farbe, aber am Gaumen eine Offenbarung an Energie und Spannung. Die Säure ist messerscharf und die Kirschfrucht so subtil, dass der Wein fast wie ein weißer Burgunder mit rotem Herz wirkt. Ein High-End-Rosato für die gehobene Gastronomie.
Tenuta di Castellaro (Sizilien) – Rosa Caolino:
Ein Wein von den Liparischen Inseln (Lipari). Die vulkanischen Böden verleihen diesem Cuvée aus Nero d'Avola und Korinthianki eine salzige Mineralität und eine fast rauchige Tiefe. Es ist ein Wein des Meeres – karg, direkt und mit einer faszinierenden Persistenz. Ein echtes Terroir-Statement, das blind verkostet oft für einen komplexen Weißwein gehalten wird.
3. Frankreich: Die Grande Nation des handwerklichen Rosés Abseits der industriellen Großproduktion finden wir in Frankreich Weine, die durch Rebsortenvielfalt und radikale Herkunft überzeugen. Abbatucci (Korsika) – Faustine Rosé: Jean-Charles Abbatucci bewahrt auf Korsika das Erbe fast vergessener Rebsorten. Der Faustine Rosé aus der Sciaccarellu-Traube ist ein Unikat. Er duftet nach der wilden korsischen Macchia (Myrte, Wacholder, Erdbeerbaum) und besitzt eine mineralische Kühle, die man im Glas nicht missen möchte. Die Struktur ist aristokratisch zurückhaltend, aber von enormer innerer Dichte geprägt. Ein Wein für die „Grand Cuisine“. Château de Coulaine (Loire) – Soleil de Coulaine: In Chinon zeigt Etienne de Bonnaventure, wie elegant Cabernet Franc als Rosé interpretiert werden kann. Dieser Wein bringt die typische, leicht kräutrige Würze der Rebsorte mit einer seidigen Textur zusammen. Er ist weniger auf Frucht als vielmehr auf Struktur und Frische gebaut – ein präziser Begleiter zu Ziegenkäse oder Süßwasserfisch. Majas (Roussillon) – Rosé Petit Bonheur: Im Hinterland des Roussillon arbeiten Agnès und Alain Carrère auf Kalk-Schiefer-Böden. Ihr Rosé (Grenache Gris) ist ein Musterbeispiel für Frische in einer eigentlich heißen Region. Dank der Höhenlage bewahren die Weine eine enorme Spannung. Der Petit Bonheur ist unkompliziert, aber niemals banal – er bringt eine feine Rauchigkeit und viel Saftigkeit mit. Clos Troteligotte (Cahors) – K-barré Rosé: Emmanuel Rybinski ist ein Innovator im Cahors. Sein K-barré ist ein faszinierendes Experiment: Malbec trifft auf weiße Rebsorten wie Chenin Blanc und Chardonnay. Das Ergebnis ist ein Rosé, der die Kraft und Farbe des Malbecs nutzt, aber durch die weißen Trauben eine ungeahnte aromatische Extravaganz und Frische erhält. Ein Wein für Sommeliers, die ihre Gäste überraschen wollen. 4. Die Rückkehr der Leichtigkeit: Pét-Nats & Handwerkliche Perlage Professionals lieben „Glou Glou“ (Trinkfluss) mit Anspruch. Besonders bei Pétillants Naturels (Pét-Nats) trennt sich die Spreu vom Weizen durch die Präzision der Gärung. Alta Alella (Spanien) – AUS Puput Rosé Pét-Nat: Dieser ungeschwefelte Mourvèdre-Schaumwein ist pure Energie. Alta Alella schafft es, das Risiko der Spontangärung in absolute Sauberkeit und Frische zu übersetzen. Der Puput besticht durch seine feine Perlage und die herbe, fast bittere Grapefruit-Note im Finish. Ein animierender Aperitif, der die Geschmacksnerven sofort weckt. Fritsch (Wagram) – Purist Pétillant Naturel Rosé: Karl Fritsch setzt am Wagram auf absolute Klarheit. Sein Purist (Zweigelt-basiert) ist genau das: Ein handwerklich perfekter Sprudler ohne zugesetzten Zucker oder Schwefel. Er bringt eine wunderbare Balance zwischen cremiger Hefe und knackiger Säure mit – ideal, um ein Menü energetisch zu eröffnen. Aphros Wine (Portugal) – Phaunus Pet Nat Rose: Vasco Croft produziert im Vinho Verde biodynamische Weine von Weltruf. Der Phaunus (aus den autochthonen Sorten Vinhao und Alvarelhao) bringt eine fast schon exzentrische Frische und eine dunkle Beerenaromatik mit, die durch die natürliche Kohlensäure perfekt balanciert wird. Ein vibrierender, wilder Wein mit viel Charakter. Vins El Cep (Spanien) – MIM Natura Pinot Noir Rosat: Wer einen seriösen Cava mit rotem Fruchtprofil und langem Hefelager sucht, kommt an diesem Pinot Noir nicht vorbei. Als Brut Reserva ausgebaut, bietet er die Komplexität eines gereiften Schaumweins, bewahrt sich aber die lebendige, kirschige Frucht des Pinot Noir. Ein eleganter Begleiter für anspruchsvolle Canapés. 5. Rosé als Herkunftswein: Von der Ahr bis zum Lemberger Charakterweine erzählen immer eine Geschichte ihrer Herkunft – unabhängig von ihrer Farbe oder dem Extraktionsgrad. Bertram-Baltes (Ahr) – Handwerk Rosé: Julia Bertram und Benedikt Baltes bringen die Schiefer-Steillagen der Ahr in den Rosé. Dieser Spätburgunder ist filigran, tänzerisch und dennoch tiefgründig. Er beweist, dass Rosé aus Deutschland auf Weltklasse-Niveau agieren kann, wenn er mit der gleichen Akribie wie ein Großer Burgunder behandelt wird. Feinste Erdbeerfrucht trifft auf rauchigen Schiefer. Roterfaden (Württemberg) – Rosafaden: Olympia Samara und Hannes Hoffmann arbeiten radikal puristisch. Ihr Rosafaden (Lemberger) ist eine der spannendsten Interpretationen der Rebsorte. Er ist karg, direkt und besitzt eine feine Herbe, die an Preiselbeeren und schwarzen Tee erinnert. Ein Wein mit enormem Trinkfluss für Kenner. Klaus Vorgrimmler (Baden) – Rosé vom Spätburgunder: Ein Klassiker im Vinaturel-Sortiment. Vorgrimmler zeigt im Tuniberg, wie man Spätburgunder-Rosé mit Struktur und Substanz keltert. Der Wein ist füllig, bleibt aber durch eine brillante Säureader stets hochelegant. Ein Allrounder für die anspruchsvolle Bistro-Küche. Andres & Mugler (Pfalz) – Pinot Rosé Sekt Brut Nature: Sektmacher-Kunst par excellence. Dieser Rosé-Sekt zeigt, was passiert, wenn man Pinot Noir auf Kalksteinböden mit minimaler Dosage ausbaut. Er ist knochentrocken, mineralisch und besitzt eine cremige Textur, die ihn zu einem ernsthaften Partner für die gesamte Menüfolge macht.
Die hier vorgestellten Rosé-Weine zeigen, wie vielseitig und hochwertig diese Weinkategorie sein kann. Ob leicht und elegant oder kraftvoll und strukturiert – Rosé bietet für jeden Geschmack und Anlass den passenden Wein. Gerade im Frühling, wenn die Tage länger werden und die Natur erwacht, sind frische, belebende Rosés die perfekten Begleiter.
Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie die faszinierende Welt der hochwertigen Rosé-Weine!
Der Index zur Trockenheit, bzw. zur Süße des Weines berücksichtigt die gesamte Struktur des Weines und kombiniert dabei Restzucker, Säuregehalt und Alkoholgehalt. Es geht hierbei nicht um Laboranalysen, sondern um das subjektive Empfinden von Süße auf dem Gaumen. Die Daten stammen von den Weingütern selbst und werden bei unseren Verkostungen geprüft.
Trocken
Rein technisch gesehen nicht völlig trocken aber keine Süße auf dem Gaumen, eventuell etwas runderer Abgang
Mittlere Süße, insbesondere bei jungen Weinen. Teilweise reduziert sich die Süße mit dem Reifeprozess
Süßlicher Wein
Hohe Süße wie bei einem Vendages Tardive, jedoch ohne die durch die Edelfäule* verursachte Reichhaltigkeit
Die Vendages Tradives (Elsässer Spätlese), unterliegen strenger staatlicher Kontrolle. Bei den überreif geernteten Trauben muss das alkoholische Potential mindestens 15,3% betragen (118 Oechsle). Ein Zuckerzusatz (Chaptalisation) ist nicht erlaubt.
Zum Charakter der Grand Cru Rebsorten kommt hier der Zuckergehalt und die Konzentration durch die Edelfäule.
Bei der Sülection de Grains Nobles (Elsässer Trockenbeerenauslese), werden ausschließlich von Edelfäule befallene Trauben verwendet.
Das alkoholischen Potential muss mindestens 18,20% (134,8 Oechsle) betragen. Im Vergleich zu den Vendages Tardives sind die Weine noch wuchtiger und konzentrierter. Diese Meisterwerke der Winzerkunst bieten ein lang anhaltendes Geschmackserlebniss.
* Edelfäule (Botrytris cinerea) auch als Grauschimmel oder Edelfäulpilz bezeichnet ist ein Pilz der reife Weintrauben bei feuchtem und gleichzeitig warmen Herbstwetter befallen kann. Der Schimmelpilz perforiert die Schalen der Trauben und fördert damit die Verdunstung was zu einer Konzentration der Aromen des Weines führt. Außerdem verbraucht er wesentlich mehr Säure als Zucker und fördert dadurch die Süße des Mostes (bis zu 45% Zuckergehalt).
















































